Wie Kunst, Wut und Solidarität einen bedrohten Freiraum verteidigen
- Miriam Strasser
- Mar 4
- 7 min read

„In nomine Vaginae et Uteri et Vulvae Sanctae“ – Eine Soli-Lesung fürs Amerlinghaus
Am 03.03.2026 verwandelte sich die „Galerie des Amerlinghauses“ in einen Raum des Widerstands. Es lasen acht Künstler*innen ihre Texte – mal satirisch, mal wütend, mal poetisch, immer unerbittlich klar in der Forderung: Das Amerlinghaus muss bleiben.
Organisiert und moderiert von Helga Pregesbauer (die mit ihrer ruhigen, bestimmten Art den Abend zusammenhielt), wurde die Lesung zu einem Manifest für feministische Räume, Kunst als Widerstand und die dringend nötige Rettung des Amerlinghauses – das seit 50 Jahren ein Zuhause für 70 Vereine, Geflüchtete, Künstler*innen und feministische Gruppen ist, und nun durch drastische Kürzungen der Stadt Wien vor dem Aus steht.

Warum dieser Abend wichtig war
Das Amerlinghaus ist mehr als ein Haus. Es ist ein Ort der Care-Arbeit, der Bildung, der Kunst – und des Widerstands. Doch seit die Stadt Wien die Förderung von 300.000 auf 135.000 Euro gekürzt hat, kämpft es ums Überleben. Die Lesung war daher nicht nur ein künstlerisches Ereignis, sondern ein politischer Akt: Jeder Euro, der an diesem Abend gespendet wurde, geht direkt an den Erhalt des Hauses.
👉 **Hier könnt ihr spenden – und mehr über die aktuelle Situation erfahren
Verein Kulturzentrum Spittelberg
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Zweck: Spende
(Fotos: © Arminheim – mit herzlichem Dank für die Dokumentation dieses Abends!)
Die Stimmen des Abends
Die Lesung vereinte acht außergewöhnliche Künstler*innen, die mit ihren Texten, was auf dem Spiel steht: Julia Bassenger (Musikerin & Romanautorin), Elfie Resch (Dichterin & Aktivistin), Bianca Dobler (Literatur- und Musikfachfrau), Melamar (Poetin & Spoken-Word-Künstlerin), Eleonore Weber (Herausgeberin Edition Fabrik.Transit, Grafikerin, Autoin), Dorothea Pointner (Schriftstellerin), Kilian Franer – berichtete über die Geschichte des Amerlinghauses, Miriam Strasser (multidisziplinäre Performancekünstlerin) – trug mit ihrem Text „In nomine Vaginae et Uteri et Vulvae Sanctae“ ein Manifest des Widerstands vor – zwischen liturgischem Singsang und wütender Anklage.
– Der Text im Wortlaut:
Herzlich willkommen, liebe Schwestern im Geiste, zur heutigen Predigt:
ein Manifest fürs Amerlinghaus.
In nomine Vaginae et Uteri et Vulvae Sanctae
Was jetzt folgt ist: Sys-tem-kri-tik.
Ich sage euch: Ich pack es nicht, was weltweit als Menschheit abgeht.
Wie krank ist eigentlich, was wir uns erdacht haben
– wobei wir tagtäglich mitmachen?
Wir sagen: Die Wirtschaft muss ewig wachsen.
Sind Marionetten die zu diesem Lied tanzen.
Machen einen Buckel, wie Katzen,um uns zu ducken, klein zu machen,
bloß nicht auf-zu-mucken.
Mich juckt es gewaltig, seit geraumer Zeit,meine Krallen auszufahren,
die Fäden zu zerreißen, die mich tanzen lassen.
Will bei diesem Tanz nicht mehr mitmachen.
Mitten in Wien brennt es lichterloh: 50 Jahre Widerstand – und jetzt?
Das Amerlinghaus, Kultur, Feminismus und Kampf – wird aushungert, gekürzt, an den Rand des Abgrunds gedrängt, als wär’ Solidarität ein Luxusgut; als wär ein Ort, der uns vernetzt und trägt, weniger wert als Betongold und Spekulation.
Doch das ist kein Einzelfall, nein – von Istanbul bis Santiago, von Berlin bis Wien:
Räume des Widerstands?
Weggespart. Zerbombt. Verramscht.
Wir rotieren wie Maschinen in einem neoliberalen System- aus ausbeuterischen Ungleichverhältnissen bestehend - Für den Reichtum der Wenigen ist dieses System bereit über Leichen zu gehen. Und uns ein Märchen zu erzählen:
„Streng dich einfach an – weil durch Leistung jede und jeder den Sprung nach oben schaffen kann.“ Es leiden eben nur, Natur und Menschen daran!
Ich sage: Zeit für einen Neuanfang!
Die Zahlen schreien. Hören wir hin?
Ein Prozent besitzt mehr als die Hälfte der Welt.
Elon Musk verdient in vier Sekunden ein Jahresgehalt – das reichste Prozent verbraucht sein CO₂-Budget in zehn Tagen – während Millionen an Hunger, Krieg und Hitze darben.
SOS – die Welt ist ein Krisengebiet.der Ausweg aus der Krise führt sicher nicht durch unser jetziges System: Denn das ist der Grund für unser Problem.
Wir sparen kaputt,was wirklich wichtig ist. Da die Gelder – angeblich – immer zu knapp sind. Diesen Schwachsinn kann ich nicht mehr hören. Es liegt daran, wofür wir es ausgeben.
DAS liegt in unserer Hand.
Wir haben Geld erfunden – verdammt!
Hallo Spekulanten.
Hallo Staaten.
Hallo Wirtschaft.
Was stellt ihr damit an? Reitet ihr uns auf Geldes Rücken in den Untergang?
Scheiß auf den Konsum. Was brauchen wir schon? Wir vergeuden unsre Lebenszeit mit Müllproduktion. Glauben, Glück sei käuflich. Geiz – leider geil.
Glauben, Technologie sei immer von Vorteil.
Glauben, wir müssen immer mehr leisten.
Verlieren unsere Menschlichkeit.
Werden zu grauen Geistern.
Wo sind die MOMOs dieser Welt?
Wir brauchen sie, um uns dem Zeitdiebstahl entgegenzustellen.
Wir sind keine Menschen mehr.
Wir sind Humankapital.
Die Werte der Menschlichkeit scheinen weltweit egal.
Politische Entscheidungen?
Trifft das Wirtschaftsdiktat.
Die Reichsten werden immer reicher… Da sie her! Die Schere der Ungleichheit: öffnet sich immer mehr. Großkonzerne wie Amazon, BlackRock & Friends haben immer etwas zu gewinnen – während das Amerlinghaus, Einzelhandel, Selbstständige, Kunst und Kultur ums Überleben ringen - Wer aus diesem System einen Vorteil zieht,hat es nicht verdient.
Wie sollen wir mit dieser Katastrophe umgehen? Wir zerstören gemeinsam den Planeten und hunderttausende Leben denn das System sei nicht wandelbar?
Haha.
Die Wertausschöpfung ist und bleibt das höchste Gebot; Dafür herrschen
weltweit Armut und Not. Die Menschen fliehen, wir lassen sie nicht ins Boot.
Wie lästig, sie kommen zu uns- ihren Tod sehen wir nicht gerne an…
Lieber Netflix und Youporn.
Jeden Tag sterben Millionen – an Hunger, an Krieg und Waffengewalt, an den Folgen eines Systems, das Menschen zu Flüchtlingen macht - Im Mittelmeer, an der US-Grenze, im Ärmelkanal – lässt man sie sterben, ertrinken
Während EU-Ausgaben für „Grenzschutz“ und Waffenproduktion Milliarden verschlingen -und Wien? kürzt die letzten 100.000 Euro für ein Haus, das Obdachlosen, KünstlerInnen und FeministInnen seit Jahrzehnten ein Zuhause gibt – hier drinnen!
Gewinnmaximierung ist und bleibt das Ziel.
Gewinne für wen?
Was haben sie gewonnen?
Abstrakte Zahlen auf ihren Bank-Konten. Toll.
Da können sie sich selber auf die Schultern klopfen.
Und auf ihrem Haufen Kohle hocken unter dem Millionen Tote begraben sind.
Um sie herum liegt die Welt in Scherben und irgendwann werden sie merken,
was viele ihnen voraussagten:
Geld kann man nicht essen.
Nicht trinken.
Nicht atmen.
Ich könnte ausrasten. Wie können wir uns diesen Wahnsinn gefallen lassen?
Wollen wir da wirklich weiter mitmachen?
Es gibt Widerstand. Das Amerlinghaus ruft: „Solidarität ist unsere Antwort!“ Demonstrationen. Spendenaufrufe. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Existenz auf dem Altar des Neoliberalismus geopfert wird.“
Doch eine globale Lösung muss her. Wir müssen uns vernetzen, solidarisch zusammenschließen, um dem neoliberalen Wirtschaftswahnsinn ein Ende zu setzen.
So viele Alternativen wurden bereits erdacht. Doch niemand hat es bisher gewagt, einen Wandel anzustoßen. Keinen kleinen. Sondern einen Großen.
Wir haben die Macht, neu zu verhandeln. Dieses System zu revidieren.
Höchste Zeit, Alternativen auszuprobieren.
Der Widerstand liegt in unserer Hand. In unserer Hand.
Ich sage das laut AN DIE REGIERUNG:
Darf ich euch erinnern?
Ihr seid die Volks-vertretung, eure Aufgabe ist es, zum Wohle der Menschen zu handeln; nicht für gute Wirtschaftsdaten… Was zum Teufel ist in euch gefahren?
Wir brauchen keinen Wachstumsfetisch.
Wir brauchen einen Wertewandel.
Einen ethischen Welthandel.
Nachhaltigkeit statt Profit.
Wir brauchen Sicherheit für Menschen:
Faire Löhne & Grundeinkommen.
Gemeinwohlökonomie statt Konkurrenzen.
Ein Gesundheitssystem,das heilt –nicht rechnet.
Hört auf mit euren hohlen Versprechen - Ich hoffe, dass ihr langsam versteht: nicht Wirtschaftswachstum sondern Nachhaltigkeit sollte auf eurer politischen Agenda stehen. Eure Wahlplakate, mit den dämlichen Slogans, die will ich nicht mehr sehen!
ICH HABE EINEN TRAUM
Ich träume von einer Systemveränderung. Wir stehen an einem Wendepunkt.
Die Ausrede „geht nicht“ ist längst obsolet.
Wir wissen mittlerweile,das ALLES geht.
Welchen Epos wollen wir als Menschheit erzählen?
Ich träume groß, von einer egalitären Welt, in der wir alle über unseren Bauchnabel hinaus sehen, uns in Verzicht üben, als friedliche Weltgemeinschaft koexistieren;
Ich träume von einer Welt, in der wir uns als alle miteinander verwandt verstehen, als große Familie organisieren - Was biologisch gesehen auch stimmt, also dass wir alle sehr viel verwandter miteinander sind, als ihr euch vielleicht denkt…
“Systemerhaltend”, und somit wirklich wichtig, ist relativ wenig Arbeit, wie sich in den letzten Jahren zeigte, weshalb ich jetzt folgenden Vorschlag unterbreite:
wie wäre es denn, wenn sich die gesamte Menschheit
die Systemerhaltungsarbeit
zu gleichen Teilen untereinander aufteilt?
Dann arbeiten wir weniger und leben mehr.
Alle SystemerhalterInnen. Mit der gleichen Basis. Ohne Prekariat.
Wir investieren in die nächste Generation,
bereiten sie auf die wahren Herausforderungen ihres Lebens vor:
nämlich klarzukommen in riesigen sozialen Gruppen
die wir Menschen als Gesellschaften bilden,
deshalb sollten wir an die nächste Generation Fächer weiter geben wie:
Meditation, Angstüberwindung und Kommunikation, Konfliktmediation, Selbstfürsorge und medizinisches Grundverständnis, Pflanzenkunde, Kreislauflehre, Grundlagen des Nahrungsanbau, Friedensforschung, Selbstausdruck und seelische Gesundheit.
Denn das sind die wichtigen, großen Themen in denen wir humanitär
versagen, mit denen wir uns als Menschheit selbst gegen die Wand fahren…
Und wo kann so ein Austausch, ein Wandel geschehen? In Räumen wie diesen!
Im Amerlinghaus, wo seit 50 Jahren FeministInnen, KünstlerInnen, Geflüchtete, AktivistInnen sich vernetzen, lernen, kämpfen – wo Solidarität nicht nur Wort, sondern Praxis ist.
Wo Kinder kostenlos Deutsch lernen, wo Frauen sich organisieren, wo Kultur nicht Ware, sondern Widerstand ist. Hier wird gelebt, was die Welt braucht: Gemeinsames Handeln. Gemeinsames Träumen. Darum: AMERLINGHAUS BLEIBT! Denn wenn dieser Ort fällt, verlieren wir mehr als ein Haus – wir verlieren ein Stück unserer Zukunft!
Am liebsten wäre mir, wir lösten alle Landesgrenzen auf, geben jedem Menschen den gleichen Pass, da steht “WeltenbürgerIn” drauf, das Gemeinwohlökonomie System breitet sich überall aus… Wir steigen aus den un-nachhaltigen Energiequellen aus und besinnen uns darauf, dass wir auf einem geothermischen Kraftwerk leben – ich denke, eine autarke Energierevolution ist die Grundlage für ein neues System!
Wir Menschen haben eine enorme Schöpfungskraft und wo ein Wille, da ist immer auch ein Weg - wir können überall hin, in jedes erträumbare System - seht uns doch mal an!
Die Geschichte der Menschheit begann mit einer handvoll JägerInnen und
SammlerInnen, die sich gemeinsam an den jetzigen Punkt gebracht haben.
Unglaubliche Dinge sind geschehen, wir sind ins Weltall geflogen, haben die Erde von oben gesehen, den Mond betreten, Fotos gemacht von beinahe allen Planeten in unserem Sonnensystem!
Es KANN ein System der Nachhaltigkeit, des Wohlwollen und Gemeinwohl geben!
Lasst uns beginnen davon zu träumen,
lasst uns beginnen darüber zu reden!
Dafür muss das Amerlinghaus weiter bestehen!!!
„Wir lassen uns nicht aushungern, nicht kampflos, nicht still, nicht leise!“
In nomine Vaginae et Uteri et Vulvae Sanctae
Ein Manifest, das bleibt
Die Lesung endete mit einem gemeinsamen Aufruf: „Das Amerlinghaus bleibt – weil Räume wie dieser nicht verhandelbar sind.“
Es war ein Abend, der zeigte: Kunst ist kein Luxus. Sie ist Widerstand. Sie ist Überleben. Und das Amerlinghaus? Es ist einer der letzten Orte in Wien, die das noch verstehen.
Was jetzt?
Spenden! Jeder Betrag hilft: 👉 https://amerlinghaus.at/spenden/
Teilen! Verbreitet die Info – auf Social Media, in euren Netzwerken.
Hingehen! Besucht das Amerlinghaus, nehmt an Veranstaltungen teil, zeigt Präsenz.
Nachklang
Als ich an diesem Abend meine blaue Robe mit Kapuze anzog und den Text wie eine Predigt des Widerstands vortrug, spürte ich: Wir sind nicht allein. Die Energie im Raum war elektrisch – eine Mischung aus Trauer, Wut und Hoffnung.
Das Amerlinghaus ist mehr als vier Wände. Es ist ein Versprechen: Dass es Räume gibt, die nicht der Logik von Profit und Spekulation folgen. Dass Kunst, Feminismus und Solidarität einen Ort brauchen – gerade jetzt.
Lasst uns sicherstellen, dass es diesen Ort auch morgen noch gibt.





















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