Die Richtige Seite – letzte Spielreihe & Ausblick
- Miriam Strasser
- Feb 24
- 3 min read
Updated: Mar 13

Im März 2026 spielen wir die letzte, restlos ausverkaufte Spielreihe unseres Theaterstücks „Die Richtige Seite“ im Gasthaus Birner. Termine: 09. & 10. März 2026 / 23. & 24. März 2026
Ein Stück, das sich mit gesellschaftlichen Spannungen, Haltung, Verantwortung und den leisen wie lauten Mechanismen des Wegsehens auseinandersetzt. Die intensive Resonanz des Publikums und die zahlreichen Presseberichte und Kritiken haben gezeigt, wie sehr dieses Thema berührt und bewegt.
“Die Welt braucht dieses Stück!”, Thomas Lohninger von epicenter.works
Medienecho:
Kritik von Oliver Jauk
Obmann SERVAS
Verein zur Bewahrung und Förderung der Wiener Wirtshauskultur und der gelebten Gastfreundschaft in Wien:
"Wirtshaustheater :Wirtshaus – liky | Echokammer – supi | Facebook – kotzi
Mit „Die richtige Seite“ bringt Bernhard Dechant eine Inszenierung auf die Bühne des alteingesessenen Floridsdorfer Gasthauses Birner, die den Geist des radikalen Sprachtheaters von Werner Schwab in das digitale Zeitalter überführt. Inspiriert von Schwabs Stück "Übergewicht, unwichtig: Unform", trifft hier erstmals dessen exzessive, fäkal-poetische Sprachgewalt auf die fragmentierte Minimalgrammatik der sozialen Medien.
Ausgangspunkt ist eine reale Facebook-Gruppe mit über 21.000 Mitgliedern aus dem 21. und 22. Bezirk – ein virtueller Stammtisch voller Empörung, Angst, Gerüchte und Ressentiments. Dechant übersetzt diese digitale Echokammer zurück in einen analogen Raum: das Wirtshaus.
Der kleine Gastraum im Gasthaus Birner an der Alten Donau wird zur Bühne eines digitalen Stammtisches. Ein Geweih an der Wand wirkt fast wie ein absurdes Bühnenbild aus einem Stück von Thomas Bernhard. Hier prallen Chat-Logik, Kommentarspalten und politische Projektionen aufeinander.
Die Figuren sind keine klassischen Charaktere, sondern Profile: Schweindi, Hasi, Herta, Jürgen oder Fotzi. Ihre Sprache ist reduziert auf digitale Lautmalerei und Chat-Fragmente:„Supi! Kotzi! TLTR!“
Gerade diese sprachliche Verknappung erzeugt eine überraschende Nähe zu Schwabs radikaler Wortästhetik. Aus Posts, Memes und Kommentarfragmenten entsteht eine Art Fäkalpoesie der Gegenwart, in der sich politischer Hass, grotesker Humor und digitale Kommunikationsrituale miteinander verschränken.
Besonders markant ist die Abkürzung TLTR – Too long to read. Sie steht exemplarisch für eine Zeit, in der komplexe Gedanken auf minimale Reaktionen reduziert werden. In Dechants Inszenierung wird sie zur bitterironischen Parole einer digitalen Öffentlichkeit, die sich selbst immer schneller überholt.
Formal arbeitet die Aufführung mit mehreren Ebenen:Schauspieler auf der Bühne, Chat-Identitäten im digitalen Raum, chorische Stimmen aus der Echokammer – und dazwischen der Regisseur, der die Mechanik dieser Kommunikationsblasen sichtbar macht.
So entsteht eine dunkelbraune Groteske, die gleichzeitig politisch brisant und urkomisch ist.
Das Ergebnis ist ein Theaterabend, der zeigt, wie überraschend kraftvoll ein Wirtshaus als Kulturraum wirken kann. In der Intimität des Raumes entfaltet die Sprache eine fast körperliche Wirkung – roh, direkt und verstörend.
Fazit: Bernhard Dechant gelingt eine bemerkenswerte Synthese aus dem radikalen Sprachtheater Werner Schwabs und der Kommunikationsrealität sozialer Medien. „Die richtige Seite“ ist ein politisch aufgeladener, grotesk-komischer Abend – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Wiener Wirtshauskultur auch im 21. Jahrhundert ein Ort künstlerischer Provokation sein kann.
Wiederaufnahme im Herbst!"
Neben der medialen Resonanz haben uns vor allem die persönlichen Rückmeldungen aus dem Publikum berührt. Eine davon hat uns per E-Mail erreicht und steht stellvertretend für viele Gespräche nach den Vorstellungen:
Sehr geehrter Bernhard Dechant,
sehr geehrte Mitwirkende des gestrigen Theaterabends im GH Birner,
haben Sie vielen Dank für den gestrigen Abend. Ich – und zwei Menschen, mit denen ich dort war – bin nachhaltig beeindruckt. Nicht nur von der Inszenierung und der schauspielerischen Leistung von Ihnen allen, sondern noch mehr von der Schärfe, Tiefe und Komplexität des Stücks.
Es hat uns nachhaltig zum Nachdenken gebracht – mit all seinen Schichten und Botschaften über die (Un-)Möglichkeiten, dem (digitalen) Faschismus entgegenzutreten. Ein starkes Stück in jeglicher Hinsicht.
Besonders eindrücklich war für mich, dass die standhafte Antifa am Ende zwar noch den „Preis“ erhält, letztlich aber selbst von den Entwicklungen aufgefressen wird.
Ich wünschte, ich verfügte über vergleichbare Mittel der Kunst. Denn die für mich (und uns) zentralen Botschaften Ihres Stücks als wissenschaftlichen Vortrag, Aufsatz oder gar in einer universitären Lehrveranstaltung zu formulieren, würde einen heute vermutlich bereits in erhebliche Konflikte mit Arbeitgebern, Öffentlichkeit – und womöglich auch mit dem Gesetz – bringen.
Alles Gute für Ihre weitere Arbeit!
Mit freundlichen Grüßen C. B
👉 Alle Informationen zum Stück: https://www.schweigendemehrheit.at/die-richtige-seite/
Gleichzeitig blicken wir nach vorne: Eine Wiederaufnahme von „Die Richtige Seite“ ist für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2026 geplant. Die konkreten Termine befinden sich derzeit in Planung – wir halten euch dazu selbstverständlich am Laufenden.
Danke an alle, die dieses Stück gesehen, diskutiert, weitergetragen und möglich gemacht haben.

„Die richtige Seite“ zeigt, wie algorithmisch befeuerte Angst- und Hassdynamiken aus digitalen Blasen in den gesellschaftlichen Mainstream drängen – und so an den Grundlagen demokratischer Öffentlichkeit nagen.



















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