• Miriam Strasser

Short Story: Ein Notizbuch im Dezember

Updated: Sep 29

#Dezember2020 #Gedankenfluss #AssoziativesSchreiben #imNotizbuch




#Vorwort


Geschrieben am 19.12. des Jahres 2020 in Wien zwischen den frühen Morgenstunden nach Mitternacht und den spätestens Stunden tiefer Nacht des selben Tages.

Ein Gedankenfluss zu Papier gebracht in beinahe einem Guss, durchbrochen -------°------ durch wenige, notwendige und zufällige Momente.

Ein beschreibendes Schreiben, ein schreibendes Beschreiben dessen was ich fühlte, dachte, sah, tat – manchmal sind Gedanken Worte, manchmal Bilder, manchmal hauptsächlich Emotion. Meistens eine Mischung davon. Festgehalten in einem besonderen Notizbuch (“Foliant”) und zwecks besserer Lesbarkeit abgetippt, digitalisiert.


#Prolog


Aufgabe 1 :

Schreiben Sie ein Buch.

Ein Buch? Na gut. Welche Seitenanzahl soll es haben?

Den vorliegenden Folianten zu füllen ist vorerst genug.

Also dann.


So fange ich an, die Seiten dieses “Folianten” zu füllen, mit einem unterbewussten Gedanken-Erguss, sie zu füllen möglichst in einem Fluss der Hier und Jetzt zu fließen beginnt. Dies ist durch die Natur des Wassers bedingt, wie die Gedanken ist es immer in Bewegung, sogar bei augenscheinlichem Stillstand.

Es bewegt sich darin – Immer.

Eine Kraft bewirkt, dass es nie ganz starr ist, selbst gefroren zu Eis noch irgendwie fließt.

Dieser Fluss ist nie ganz abzustellen, lässt sich nur umlenken und durch verschiedene Filter verändern.

Da hänge ich zum ersten Mal, an den Filtern hat es mich aufgehangen.

Daran, dieses geschriebene Wort zu lesen. Filter.

Ich musste sofort an Fotografie denken und habe eine farbige Folie gesehen, konnte jedoch die Farbe nicht genau erkennen.

Irgendwo zwischen orange und rosarot, diese Folie die, wenn ich sie über mein Bild schiebe, dem Raum… ein… der… in, auf, um… Raum?

Also, die Wahrnehmung wird irgendwie eingefärbt. Es verändert sich Gefühl und Gedankenfluss fließt verschieden, andere Buchstaben sprudeln zu Worten zusammen, je nachdem welche Farbe der Filter hat – und deshalb war ich ja daran fest gehangen, an dem Wort.

Dem Bild. An der Verantwortung, die die Färbung trägt. Da hänge ich erneut für einen Moment fest. Weil “Verantwortung” so ein ernstes, beschwerliches Wort ist.

Als wäre ein Filter ein so bedeutungsschwangeres Ding, ich meine den kann ich doch jederzeit wechseln und vielleicht verfärbt er sich ja von selbst beim Erzählen, im Hier und Jetzt.

Dieser Blickwinkel lässt kaum noch Raum um zu versinken, in Bildfarb-Gefühl denn aus dieser Höhe hat die Aussicht viel kühle Distanzierung in sich. So luftig in der Vogelperspektive assoziierend anstatt der Farbe folgend, die Details verschwimmen lässt für eine andere Intensität.

Wahrnehmung auf einer anderen Ebene.

An dieser Stelle bleibe ich stehen um mich schlafen zu legen. Spät, was ist schon spät, Zeit ist relativ doch die Augen sind mir schwer und die Gedanken hängen schief.

Gute Nacht, Foliant. Gleich morgen Früh nehme ich dich wieder zur Hand.


------°Nach dem Schlafen, nach dem Aufwachen°------


Guten Morgen nach Kaffee und Ärger mit dem Internet. Traumbild Erinnerung wirkt nach.

Noch immer, eine Schablone über einem Aquarellbild, so weich und sanft wirkte es.

Der Traum war wie mit Wasserfarben gemalt, beinahe transparent, unglaublich zart.

Die Schablone lag darüber um Kontrast zu geben, mir zu ermöglichen etwas zu sehen.

Das Gefühl dazu war friedlich und weich. Eingebettet lag dieses Traumbild zwischen zwei anderen, die waren schwerer zu ertragen, zu fühlen, da sie mich schmerzten, mich aufwühlten. Kann sie bildlich nicht erinnern, nur das Gefühl. Fühle es noch immer. Schmerz in meiner Brust. Eine Enge, etwas Zerbrochenes hat Scherben hinterlassen, aus der Tiefe zieht Trauer empor, mit wütender Verzweiflung gepaart.

Der Wasserfarben Traum war so weich und zart, möchte dahin zurück kehren, darin leben.

Mir selbst vergeben, meinem Leben.

Ein Gefühlstropfen bildet sich auf dem Raster-Bewusstsein meiner Gedankenoberfläche.

Aus dem transparenten Hintergrund formt sich durch den Tropfen der Panzer einer Schildkröte, der sich blaugrün an meinen Rücken legt.

Rücken möchte sich in den Panzer verziehen, das Sein samt Körper komprimieren, zu einer Kugel verdichten die sich in die tiefe, dunkle Erde bettet um den Winter zum Schlafen und Erwachen zu verwenden. Zu einem langen Traum zu machen. Durch die Dunkelheit Schlaf zu wandeln bis das Leben ruft, der Frühling kommt und den schlafwandelnden Traumkörper weckt.

Einer frischen Pflanze gleich, die aus dem Boden treibt. Seine Kraft mit den Wurzeln nach oben zieht um sich dem Licht entgegenzustrecken, das Streicheln der Sonne zu genießen, die strahlend die Pflanze kitzelt, ihr Wachstum anregt.

Hier kommt der Impuls über etwas zu sinnieren: wenn mein Internet angemessen funktionierte, würde ich eine Tai Chi Schnupperstunde probieren. Ärger regt sich in mir da die Technik nicht funktioniert.

Ein Gedanke erhebt sich, mich scheltend: “Ist zu leicht, sich auf die Technik auszureden, weißt sehr wohl dir selbst Körperarbeit zu geben…”.

Das stimmt, ich verweigere es mir durch Ausreden. Vielleicht um mich triefend dem Leid hinzugeben anstatt meine Kraft zu aktivieren durch achtsames Bewegen.

Hier bleibe ich stehen um erst mal Tee zu trinken.


------°Nach dem Trinken von Tee, nach dem Praktizieren von Tai Chi°------


Zäh und viskos wie Honig fließt die Zeit. Befindet sich an der Kurve die den Tag in zwei Hälften teilt. Dem Uhren-maß entsprechend. Spüre körperliche Nachwirkungen des Tai Chi. Es blubbert, brodelt, zieht an Körper Orten. Wie interessant, es zu beobachten, was für Auswirkungen ein entspanntes Bewegen mit weichem Atem auf den Körper hat. Wie sich innen alles zu Bewegen beginnt, wie die Muskeln alte Verletzungen melden, wie Verspannungen und Schwächen hörbar werden.

Wie Emotionen und Gedanken im achtsamen Bewegen Frieden finden, wenn der Atem durch den Körper fließt und sich in der Bewegung weitet. Ein Nachhall bleibt zurück. Der Körper möchte sich selbst einrichten, sich in die Mitte bringen, mit der Atmung vereint schwingen.

Die Wirbelsäule zieht in meinen rechten Arm, der in dieser Position nicht entspannt schreiben kann.

Bestimmte Muskeln in Fingern, Hand, Unterarm beginnen zu krampfen.

Foliant du bist sehr hübsch anzusehen, gebunden in Leder mit Prägungen, mit Glöckchen verziert. Auch deine kompakte Größe schmeichelt mir denn du liegst gut in der Hand wenn ich dich anfasse. Doch dich aufzuschlagen um in dir zu lesen ist ein wenig unbequem, ganz zu schweigen davon in dir zu schreiben – noch dazu am Rücken liegend. Nicht ganz praktisch aber schön bist du. Überschaubar und haptisch – ein gutes erstes Buch, geschrieben aus einem inneren Erguss welcher von deiner Ersten bis zur Letzten Seite nicht weit branden muss.

Honig Zeit kriecht Tintenspuren ziehend über deine Seiten.

Zeichnet mit Buchstabenworten Bilder von Zuständen die einander bedingen, Außen wie Innen. Melancholisch gestimmt schwingt mein Handgelenk um mit dem Schwingen Schrift hervor zu bringen. Wo beginnt die Bewegung der Schrift? Als Gedanke, Gefühl oder erst im Stift?

Handschrift ist definitiv eine ganz andere Schreibweise als Tasten tippen. Es scheint sich weit mehr zu bewegen, mehr zu erzählen. Aus den Linien der Worte lässt sich mehr als ihr Sinn herauslesen.

Stimmungsvolle Innenräume spiegeln Träume wieder, geben den Grundton der Lebenswahrnehmung.

Es treibt mich, alle Seiten dieses Buches möglichst schnell mit Schriftzeichen zu füllen.

Verstehe selbst nicht wieso.

Vielleicht will ich eigentlich schon wieder etwas Neues machen.

Beim “Handschrift-zeichnen-betrachten” kommen mir neue Ideen und auch ein bisschen schlechtes Gewissen wegen unerledigten Dingen, eigentlich Banalitäten doch durch ihr Verschieben werden sie übermäßig wichtig.

Während ich dies schreibe kommen Erinnerungen an einen simplen Dialog den ich aus schlechtem Gewissen führte weil ich meinen Hund schlug. Nun, ich habe ihr einen Klaps gegeben, das hat sie emotional tief getroffen und sie hat mich schockiert angesehen. Sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen und musste darüber reden. Mein Gegenüber sah in meiner Handlung kein schlimmes Vergehen doch ich nahm mir vor, nicht wieder leichtfertig einem solchen Impuls nachzugeben.

Es kommt vor, dass die Wut mich führt, wird mein “Nein” ignoriert sodass meine Handlung eine Grenze zieht, exekutiert was das Wort des Verbotes bereits suggeriert. Nein.

Hat die Grenze etwas mich Macht zu tun?

Macht und Ohnmacht treffen sich an der Grenze des Verbotes – sowohl bei Übertretung als auch bei Befolgung Konsequenzen drohen.

Versunken im Rauschen verschiedener Erinnerungen, lauschend dem was geschehen ist oder dem Abdruck, den es vom Geschehenen in mir gibt. Gefiltert und gefärbt durch meine Wahrnehmung, geprägt durch meine persönliche Geschichte.

Die Worte plätschern so dahin wobei die Bilder der Erinnerung tief und facettenreich sind.

Sie ziehen Fäden und weben Verknüpfungen durch Raumzeit. So vernetzt entsteht ein Teppichgeflecht

bestehend aus verschiedenen Dimensionen die vereint ein Muster ergeben, ein recht farbenfrohes. Das ist dann Erinnerung. Eine, zwei, drei, viele?

Ein Teppich eben, die Anzahl der Fäden ist nicht genau zu bestimmen, eben sowenig das Bild welches sie verwoben hervorbringen. Sich wandelnd, stet verfließend ziehen sich Fäden zwischen Erinnern und Vergessen.

Etwas zieht an mir mit kleinen Christbaumhaken die mir unter die Haut fahren, vielfältig und gleichzeitig um an mir zu ziehen, in verschiedene Richtungen. Es ist ein sehr gespanntes Gefühl, als ob man die Saite eines Instruments überstimmt und so beinahe zum Reißen bringt. Kalt kriecht es vom Kreuzbein die Wirbelsäule empor wie polar Licht, weiß und eisig. Was bringt es mit sich? Wo habe ich es ausgeatmet um mich damit einzuhüllen? Welche Bilderwelt wird es bringen? Färbt Erinnerungen kalt, lässt sie grausam klingen, mich erschauern beim Erinnern und düstere Zukunftsvisionen wachsen daraus.

An dieser Stelle halte ich an um meinen rechten Arm zu entspannen und mir etwas zu Essen zu bestellen.


------°Nach dem Essen, nach der folgenden Untätigkeit°------


Es ist erstaunlich wie träge und verträumt ein voller Magen macht. Noch dazu Hand in Hand mit dem Einbruch der Nacht.


Zu dieser Jahreszeit fällt ihre Dunkelheit über uns her wie eine Welle des Meer, so schwer, nass und kalt. Mein handschriftlicher Erguss wird immer wieder unterbrochen, durch meine Reise in der städtischen Düsternis. Verkehrsmittelwechsel machen es erforderlich. Für einen Teppich fahre ich ans andere Ende der Stadt. Einen Teppich den ich im Internet fand.

Hole ihn aus einem privaten Haushalt ab. Werde kurz einen Ausschnitt aus einem anderen Leben sehen und eine Requisite dieses Lebens mit mir nehmen um ihr ein neues Zuhause zu geben,

Ein fliegender Teppich wäre schön. Ein kriechender Teppich, zumindest.

Auf dem könnten wir bestimmt zu Viert sitzen er würde uns, wie eine Raupe kriechend, mitnehmen.

In kleinen Wellenbewegungen durch die Welt tragen, dabei niedliche, hinplätschernde, Trippel-geräusche machen. Vielleicht schnurrt der Teppich auch ein tiefes Teppich-schnurren aus dem Teppichbauch.


Ich sollte das mit dem Rauchen endlich sein lassen doch ich schaffe es noch nicht, endgültig diesen Entschluss zu fassen. Mein Körper bittet mich darum und das hat bestimmt seinen Grund.

Ein ziemlich grober Gedankensprung. Ausgelöst durch die Beobachtung einer Wahrnehmung in meiner Brust. Atmung.

Fühlt sich verraucht an. Erweckt das Bild eines Fabrikrauchfangs. Lässt mich an kleine Russwesen denken, mit krakeligen Füßen und Händen. Sie rascheln, wenn sie huschend Laufen, sie husten wenn sie sich kichernd miteinander austauschen. Floridsdorf erreicht.


------°Nach einem weiteren Verkehrsmittelwechsel,

nach einem Moment der Versunkenheit°------


Musik hören erleichtert.

Es fällt mir musikalisch begleitet leichter, mich in diesem düsteren, öffentlichen Raum zu bewegen und so vielen Ausschnitten fremden Lebens zu begegnen.

Mir scheint tatsächlich, von den meisten Menschen trennen mich gleich mehrere Welten doch selten, ganz selten, passiert es, dass ich auf meinen Wegen einem “Artgenossen” begegne, durch zwei leuchtende Augen in ein offenes Herz und eine bewegte Seele sehe.

Diese Begegnungen weiß ich sehr zu schätzen.

Schon der Austausch einiger Blicke mit solchen Augen kann mich nähren, mich bestärken,

mich berühren mir Wärme und Zuversicht geben. Ja, das Leben ist schön, auch im Dunkeln.


------°Nach dem Aufsuchen der angegebenen Adresse,

nach dem Scheitern°------


Nun ja, das war eine vergebliche Expedition wie es scheint.

Das Vorhaben mit dem Teppich scheiterte an mangelnder Technik, sprich Internetverfügbarkeit bzw. mangelnder Vorbereitung für Internet unabhängige Kommunikation.

Da stand ich vor angegebener Adresse, wusste jedoch nicht bei welcher Tür ich läuten müsste.

Habe einige probiert und zwei haben mir geöffnet, jedoch nicht weiterhelfen können also suchte ich eine Tankstelle um Internet zu finden denn ich wollte nicht alle 34 Türen durchklingeln.

Zugriff auf Internet blieb mir verwehrt doch ich begegnete Leon, einem sympathischen Musiker.

Mich dem Schicksal ergebend teilte ich mit ihm den Weg zurück nach Floridsdorf, ein Gespräch aus offenen Herzen führend, einander zuhörend.

Über die Mystik von Namen sprach er zu mir.

Über planetarische Kräfte die wirken.

Eine schöne Begegnung, als Lohn für meinen Ausflug angemessen, als Ersatz für den Teppich.

Leons Leben scheint sehr nah an meiner Realität zu liegen.


Er erzählte mir, in der jüdischen Mystik sei mein Name sehr bedeutungsvoll

da er mit dem selben Buchstaben beginnt und endet. “Miriam” heißt Wasser und bedeutet die Zeit,

die Ewigkeit.

Ich dürfe mich nicht in der Zeit verlieren, sagte Leon zu mir.

Das brachte mich zum Lachen denn es scheint mir ständig zu passieren.

“Weil unsere Namen uns prägen und uns eine Lernaufgabe geben”, sagte Leon lachend zu mir

und versicherte, seine Lebensgefährtin sei eine “ziemliche Hexe” die behauptet, ab dem 21.12

beginne eine große Wandlung der Kräfte und wir können uns über eine Zeit freuen,

in der Gutes geschehen werde – Leon zwinkerte mir zu – er vertraue ihr darin voll und ganz

und auch ich sollte mich freuen, über den kommenden Wandel.


Wie lustig die Sache mit der Zeit. An meinen Namen gebunden.

Die Bedeutung in der jüdischen Mystik resoniert stark in mir, wie es scheint. Interessant wie so eine Kleinigkeit, ein einfaches Gespräch mit einem sympathischen Fremden, gedanklich einen neuen Raum öffnet. Durch Austausch von Lebensrealitäten. Das Begegnen von Welten durch sprachliche Kommunikation. Unterschiedliche Farben, ein Harmonieren des Grundtons.

An dieser Stelle pausiere ich denn mein Hund bittet mich winselnd um einen Spaziergang.

Ich werde dabei rauchen und gedankenversunken Schlendern, durch die feucht nieselnde Nacht.

------°Nach dem Gassi Gehen,

nach dem Sinnierend Gehen°------


Es ist interessant, wie wir Lebewesen Anfang und Ende unseres Lebenskreises im gleichen Zustand verleben. Unabhängig von der Spezies besteht ein Teil des Lebenskreis aus “Kindlichkeit”.

Um den Ursprung herum verdichtet sich dieser Zustand.

Die Neugeborenen wie die Sterbenden schweben in einer besonderen Wolke. Ein Zustand so offen,

so verbunden, so wenig definiert, dass sich die Form beinahe verliert.

Dazwischen wird sie fortlaufend transformiert.

Es ist immer Lebentod, mit einem großen Umschlagpunkt: Sterbengeburt.


Bereits einige Male begegnete ich Lebewesen an diesem besonderen Ort und immer war da die selbe Magie, die selbe Verdichtung spürbar. Auch an meinem Hund sehe ich jetzt, im fortgeschrittenen Alter, eine Veränderung – in ihrem Fühlen, Verhalten, Bedürfnissen. Sie scheint immer mehr wie am Anfang unserer gemeinsamen Zeit zu werden, ein Kind in einem alternden Körper.


Als meine Großmutter im Sterben lag war ich bei ihr und wir hatten das schönste Gespräch unserer gemeinsamen Geschichte. So wenig Worte wurden dabei gesprochen doch waren wir nie so aufrichtig, ehrlich und offen, haben uns gespürt und über Fühlen und Berührung miteinander kommuniziert.

Als sie dann aus dieser Welt verschied habe ich das tausende Kilometer entfernt im Dschungel gefühlt. Es tat so weh, ich wurde schwach und müde, wollte mich nur mehr zurück ziehen.


In einem 13 stündigen Schlaf bin ich meiner Oma im Traum begegnet.

Sie hatte starke Bilder mitgebracht und war selbst strahlend schön, warm und stark wie die Sonne, lachte voller Liebe und Kraft. Sie hatte ihren Frieden gemacht und mich zum Abschied besucht um mir monumentale Bilder im Traum zu zeigen. Ich erwachte voll Wärme und Glück.


Unsere Mütter und Müttersmütter sind Teil unseres Selbst, sind tief mit uns verbunden. Deshalb schlagen sie uns auch die tiefsten Wunden und können uns die stärkste Heilung geben.


In den Pausen zwischen Ein- und Ausatmung liegt der heilige Ort an dem Himmel und Erde sich im Gleichgewicht befinden, erzählt Louis Paniagua.

Meine Playlist spielt ein Lied von ihm, Epitafio de Seikilos, er singt auf Altgriechisch:


“Sei nicht traurig, fürchte dich nicht vor der Welt.

Solange du lebst strahle, und leide nicht.

Das Leben dauert sehr kurz

und die Zeit nimmt ihr Ende.”


Nur eines ist gewiss: die Zeit ist ewig und fordert ihren Tribut,

dein Körper wird vergehen,

sich wandeln von Leben zu Tod.

Beides ist eins und trifft sich immer wieder am selben Punkt, am Ursprung.

Genau wie deine Atmung,

die heilig wird in der Pause die in der Stille passiert.



#Nachwort


Eigentlich gibt es nicht mehr dazu zu sagen. So war es, als ich mir selbst die Aufgabe gab, ein ledergebundenes Notizbuch vollzuschreiben weil ich nicht schlafen konnte. Ich lag im Bett, beobachtete mich beim Denken und dachte plötzlich „Aufgabe 1: schreiben Sie ein Buch“.

Mein Blick fiel auf das schöne Notizbuch, welches ich einmal geschenkt bekommen hatte und noch nie verwendet. Es war irgendwie zu hübsch um darin zu schreiben. Es ist immer noch zu hübsch aber mittlerweile eben vollgeschrieben. Gefüllt von der ersten bis zu letzten Seite, eine Art Meditationsübung. Es hat mich auf alle Fälle friedlich einschlafen lassen.

Seit beinahe einem Jahr schreibe ich (mehr oder weniger diszipliniert) jeden Tag in der Früh 1 bis 3 „Morning Pages“. Ich habe die Seiten meines „Folianten“ nicht gezählt, es spielt auch keine Rolle.

Aus den Morgen-seiten habe ich Tages-Seiten gemacht.

Ein interessantes Experiment

der Selbstbeobachtung.



Wien am 27.12.2020

© Miriam Strasser

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