• Miriam Strasser

Short Story: Ein Liebesbrief im September

Updated: Oct 8


Trinkst du aus meinen Augen,

während ich in deinen Blicken bade?

Siehst du die Flügel meiner Wimpern,

wie sie dir Signale schlagen?

Mein Herz ist bereits ertrunken,

es liegt versunken am Grund des Ozeans.

Meine Wimpern haben Hilfe suchend gewunken,

doch du hast ihr Signal nicht verstanden.

Trunken von den tiefen Zügen, die du aus meinen Augen trankst,

besahest du, wonnevoll benommen,

meinen Untergang.


Die Erinnerung an lüsterne Stunden war in dir erwacht,

warst traumhaft darin versunken,

während mein Herz vor dir ertrank.

Versäumtest, nach mir zu greifen,

mich aus den Wellen zu ziehen.

Sahst mich wie die Sonne prächtig,

leuchtend am Horizont untergehen.

Nun liegt mein Herz in der Tiefe,

begraben von Sand.


Der Quell meiner Augen versiegte,

von dem du so gern trankst.

Erloschen ist das Leuchten,

meines versunkenen Herz,

während du, rauschig taumelnd, lichte Erinnerungen verehrst.

Es ist dir unbegreiflich,

diese Sonne wird sich nie mehr erheben,

du sahst ihr versinken,

wartest vergeblich auf ihr wieder-Aufgehen...

Bist wie von Sinnen,

es peinigt dich dunkle Nacht,

hast tränenreiche Stunden wartend

auf den Sonnenaufgang verbracht.

Mein Herz wird dir nicht mehr leuchten,

dort wo es liegt.

Magst du auch bezweifeln, ob es für immer so ist,

der trockne Quell’ meiner Augen sagt:

es gibt kein zurück.

Das Leichentuch ewiger Nacht,

hat sich um deine Hoffnung gelegt.

Du beginnst zu begreifen,

was dir entronnen ist.

Der Schmerz hinterlässt seine Zeichen

in deinem Gesicht.

Mein vertrockneter Blick

lässt dich Geist sein,

nimmt dir jede Substanz.

Du schwebst durch die Wüste der Augen,

von denen du so gerne trankst.

Vergänglich vergangen ist,

was einst war,

bleibst in der Vergangenheit gefangen,

bist im Moment nicht da.

Mein Herz träumt, versunken unter dem Sand,

von knospenden Blüten, im hauchzarten Sonnenaufgang.

Es fallen die Tropfen von lieblichem Licht,

sie nähren die Knospe,

bis sie strahlend aufbricht.

Ihr Traum von der Blüte lockt Lichttropfen an,

sie sammeln sich langsam

für einen Sonnenaufgang.

Erst sind es wenig,

noch nicht einmal ein Strahl,

doch fallen sie stetig,

nähren die Knospe im Schlaf.

Ihr Traum lässt sie fallen,

ihr Traum gibt ihr Kraft.



©Miriam Strasser


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