• Miriam Strasser

SHort Story: Ein Bleistift im April

Updated: Oct 8


Wenn ich versuche, aus Gedankenwolken Wörter werden zu lassen,

gibt es einiges zu sagen…

Zum Bleistift schreibe ich lieber nicht in Keilschrift.

Aus ermangelnder Lesbarkeit bleibe ich bei meiner Schrift in Latein.

So hat man es mir einst beigebracht im Schulinstitut,

bis es dann, auf der Uni, bloß noch tippen am Computer gab.

Das ist echt kaum noch haptisch, viel eher für Handgelenke, Nacken und Augen einfach unpraktisch. Wohl, es kann alles immer wieder ganz einfach umformatiert, formuliert, revidiert werden, doch spüre ich gerne, sehr gerne, die Muskeln meines Arms, wenn ich mit Stift in der Hand schreiben kann.


Fließend oder nicht, ein Spiegel meines Momentzustands, ist meine Schrift. Es zeigt sich auch

so viel mehr was ich gerade denke, fühle, brauch oder ganz genau: der Fluss der Wahrnehmung, durch die Mine des Stifts zu Papier gebracht, ist eben nicht bloß virtuell.

Es zeigt sich also schnell, was für ewig geschrieben ist. Solange das Blatt Papier mir nicht wegfliegt… will ich es nicht mehr, dann zünde ich es einfach an.


Kann hören, riechen, spüren, sehen wie Tintenworte auf Blatt in Flammen aufgehen.

So darf wieder etwas Neues entstehen.

Feuer Licht Hitze Rauch, Asche auf mein Haupt, atme verbrannte Worte ein.

Hauche aus, das Echo des eingeatmeten, zuvor geschriebenen Tintenwortes.

Es geht also über, von einem Ur-Ort zu anderen Orten, die sich chemisch und physikalisch verformen lassen, anzupassen an Ur-Zustands Wünsche der Formulierung im Ur.

Wo mag das nur sein?


Ist mein Gehirn samt Körper nicht zu klein, um UR zu sein?

Raumzeit hebt aus gekrümmter Wirklichkeit, Grundsatz der Unendlichkeit, die durch Definitionen sich zerteilt und, aus reflexivem Betrachten, sich selbst beschreibt als… Ameise, auf weiter Reise über ein Puddingfeld. Fest sich zangengriffig an ein Reiskorn hält, gekocht und weich doch zugleich wohl das doppelte Eigengewicht der Ameise, wenn nicht ausnahmsweise, gar etwas mehr…


Da sucht der Gedankenfluss nach Ideen im Geschichtenmeer.

Wo kommen bloß all die Bilder her?

Gemalt, getanzt, geschrieben, trieben sie immer schon irgendwo herum.

Ein Ort ohne Grund, ohne Ursprung.


Für alle aufzusuchen leicht, herausgefunden erst einmal, weiß Mensch die Türe leicht zu greifen und zu öffnen um frei, ohne Köfferchen, hindurchzuschreiten, auf leeren Seiten zu besehen welche Bilder

hier entstehen, bereits entstanden sind, wartend auf die Beobachterin, welche an ihnen vorbei blickt.


Ihre Blicke haften sich nicht an, rutschen ab an der Nicht Fläche welche zwischen den Bildern lag. Matrizen werden verdichtet aus gereimten Silben, die sich bündeln, um durch den Stift zu fließen, sich aufs Blatt zu ergießen.

Da ist ein Bild aufgekommen, von lustvoll körperlichen Wonnen in der blühenden Sonnenzeit.

Körperlich, von Gewand befreit, um Säfte zu teilen, sich zu verschmelzen und wieder zu entzweien.

Was wird übrigbleiben? Nach Hormonen im Schweiß ein Geruch, feucht und heiß.

Die Haut atmet offen aus, im Kopf ist es still und ruhig wie im Auge eines Wirbelsturms.


Wirbelnd im Blut verteilt verleihen Hormone Glückseligkeit.

Die Säfte der Organe tropfen noch ganz heiß, rot, weiß, Durchsichtigkeit.

Offen und bereit zu keimen, um das Leben zu zerteilen, neu zu vermischen und auszustreuen, auf das der Weg vom Einzel-Zellwesen, über Fischen ähnlichem Leben, zu einem hoch komplexen Wesen, beschritten wird.

Ontogenetisch erneut evolutioniert, vom Nullpunkt aus durchlaufend die persönliche Erinnerung

der Evolutionsgeschichte, bis dann irgendwann die Blase platzt, sich der Ur-Ozean ergießt,

das Lebewesen feucht ins oxygene Leben fließt.


Sich somit ein neuer Raum erschließt, in dem die Schwerkraft ungebremst wirken darf.

Der Atem in die Lunge schießt und Luft alles umgibt, das ist wohl perspektivisch eine Überforderung des altgewohnten, feucht aquatischen Lebens.

So viel neue Reize geben dem Lebewesen Grund zu schreien und zu toben, um einmal auszuloten

was sinnlich machbar ist… so lange, bis irgendwann der Kreis sich wieder schließt.


Mit viel Glück ist Lebewesen sein LebenTod lang achtsam gewesen und kann in Frieden gehen. Einfach loslassend eben.

So ist es leichter den Kreis zu schließen, als ihn erneut zu zeichnen zu beginnen.

Daher nimm dir zu Herzen, stehts achtsam LebenTod zu atmen, um auf den richtigen Moment zu warten schlussendlich loszulassen, damit Lebewesens Körper einfach vergehen kann, langsam

sich zersetzen, sich auflösen, um in den Boden zu fließen und gefressen zu werden.

Verdaut von Larven und Bakterien.


Sich zu transformieren, als Teil eines anderen Lebewesens weiter zu existieren.


© Miriam Strasser

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