• Miriam Strasser

Short Story: Identitätsfindung im März

Updated: Apr 19


"Jede*r kann #tanzen", eine Geschichte in Reimen für alle Großen und Kleinen.


Es gab einst einen kunterbunten Zirkus-Clan, den führte die große Mamatrone an.

Sie war die verwegenste Wanderrättin weit und breit.

Stacheldorn-Piercings schmückten ihren Körper, aus Katzenfellen machte sie sich ihr Kleid. Die Shows ihres Trupps waren stets gut besucht.

Da gab es zu sehen:

Lenni, den magischen Eidechsen Akrobaten, den Wahrsager Le Skunk, der wusste zu lesen die Karten, Mathilda, die versierte Vogelspinnen Jongleuse, Karla, die kecke Kellerassel Dompteuse. Teil des Trupps waren außerdem noch: der Messerwerfer Johnny Loch, die siamesischen Zwillinge Benni und Bob, die Bauchrednerin Edith Schopf und die MusikerInnen der Gruppe „The Freaks Rock“.

Doch die Hauptattraktion, das war ganz klar, die stellte der Publikumsliebling

Eduard Edwin Emmerich dar. Er war zwischen Hong Kong und Idaho wohl bekannt,

für seinen extravaganten Schmetterlingsausdruckstanz.

Eduard Edwin liebte es, auf der Bühne zu stehen und war in seinem aufwendigen Kostüm traumhaft anzusehen. Doch das ist nicht immer so gewesen…


Eduard Edwin Emmerichs Familie war gutbürgerlich, sein Vater war Buchhalter, seine Mutter Zahnspangentechnikerin. Für Papa Emmerich war immer schon klar: „Mein Sohn tritt einst in meine Fußstapfen – Eduard Edwin wird selbstverständlich auch ein Buchhalter!“.

Seine Mutter, die sich immer eine Tochter gewunschen, wollte selbst eigentlich Balletttänzerin werden - ein Traum den ihr ihre Eltern verhunzten. So wurde Eduard Edwin aufgezogen, zwischen dem Hauslehrer, mit Schwerpunkt Mathematikunterricht, und der Ballettschule der strengen Svetlana Jekaterina Ivanowitsch.

(Beides gefiel ihm nicht wirklich...)

Eduard Edwin war sehr empfindsam und fantasievoll. Lange still zu sitzen fand er nicht besonders toll. Beim Betrachten der Zahlenreihen im Mathematikunterricht erschloss sich ihm kein Sinn, doch die Zahlen, die verwandelten sich - ja, sie wurden zu Tönen und formten Melodien! Sie wollten sich bewegen, so begann Eduard Edwin stets irgendwann sich zu erheben und ihren Klängen Ausdruck zu geben… Besonders gerne tanzte er die 8 und die 3, die klangen so tief und weich und hatten doch Rhythmus dabei - wie ein Kontrabass, vielleicht, denn manchmal da schepperte die 3 auch leicht… Die 5 klang freundlich und verspielt zugleich, die 7 trompetete gerne, die 2 war geschmeidig und leicht - kurzum:

die Zahlen tönten ihm wie ein Orchester im Ohr, sie kitzelten seinen Körper und lockten farbenfrohe Gefühle hervor. So konnte er nie widerstehen, er musste sich einfach bewegen!

Sein Hauslehrer allerdings, der hatte gewaltig was dagegen…


„Sapperlot nochmal! Was fällt dir denn ein?! Lass dieses Rumgehopse, das darf doch nicht wahr sein! Welch ein Chaos, so kann man doch nicht denken! Setz dich hin und beginn deine Konzentration auf die Lösung zu lenken!“, so schimpfte sein Lehrer regelmäßig.

Doch so sehr Eduard Edwin sich auch bemühte, er schaffte es einfach nicht…

Auch seinem Vater erstattete der Lehrer Bericht: „Herr Emmerich, ich muss schon sagen, SO geht das nicht! Ihr Sohn folgt kaum meinem Unterricht, sondern zappelt, springt und summt regelmäßig. Es tut mir leid aber in diesem Fall, da fiel der Apfel weit vom Stamm…

So kann es nicht weitergehen, der Lernfortschritt ihres Sohnes ist besorgniserregend!“


In der Ballettschule, ja da durfte Eduard Edwin tanzen zwar, doch auch dort schien sein Bewegen mehr Ärger als Wohlwollen zu erregen… Das begann zum Beispiel schon bei der Tanzaufmachung, sprich bei seinem Kostüm: Eduard Edwin trug gerne Tütü und band sich Schleifen ins Haar, denn das fand er schön. Klassischerweise jedoch wird dies nur bei den Ballettmädchen gerne gesehen. Die Ballettjungen haben in Tanzleggings und ganz bestimmt ohne Schleifen zum Training zu gehen.

Zu allem Überfluss gab es auch hier jede Menge Zahlen und Regeln, denn Ballett folgt einem strengen ästhetischen System:


in der 1. Position hat man GENAU SO zu stehen,


in der 2. Position darf man nicht zu tief in die Kniebeuge gehen,


in der 3. Position…


Da war es meist schon um ihn geschehen, er begann wieder Musik zu hören und Farben zu sehen - die Zahl 3 klang einfach viel zu schön!


In Eduard Edwins Welt machte das Ballettsystem einfach keinen Sinn, die Zahlen waren nicht so steif und streng, sie forderten keine exakte Disziplin. Es schien ihm viel mehr, als wollten sie mit ihm spielen...

Doch die strenge Svetlana Jekaterina Iwanowitsch duldete keine Improvisation in ihrem Unterricht: „NJET, NJET, NJET! Was machst du da?! SO GEHT DAS NICHT! Lass dieses chaotische Gezappel, das ist ja widerlich! Hör auf, setz dich lieber hin, hier hinten an den Rand, um ganz still und leise den Mädchen zuzusehen! Siehst du wohl? Die machen das richtig schön! Sie tanzen mit Technik, Leichtigkeit und Disziplin…“

Also musste Eduard Edwin auch in der Ballettschule meistens stillsitzen, was ihm nicht wirklich gelang, denn die Ästhetik dieses Tanz fand bei ihm durchaus Anklang.

Er begann meistens Schmetterlinge zu sehen, wie sie wirbelnd und flatternd bunte Spiralen in der Luft drehten… Dieses Bild war so stark, es machte ihm Lust sich zu bewegen - sein Körper vibrierte von den Ohrenspitzen bis in die Zehen und schon begann er sich wieder zu erheben und wirbelnd seine Runden durch den Ballettsaal zu drehen…

Doch seine Lehrerin konnte das nicht verstehen: „STOPP! AUS! ES REICHT! HINAUS!

FORT MIT DIR! DU UNTALENTIERTES TIER! EINE SCHANDE BIST DU! ICH HABE GENUG!!!“

Eduard Edwin wurde davongejagt, er kam zu Hause an, traurig und verzagt.


Seine Eltern erwarteten ihn schon, böse und ernst, denn Frau Iwanowitsch beschwerte sich eben erst bei seiner Mutter über das Telefon… „Was musste ich hören, mein Sohn? Aus der Ballettschule bist du geflogen!? Du hast die Regeln gebrochen, der Lehrerin nicht gehorcht und die Ästhetik der hohen Kunst verhohnt! Was ist nur los mit dir?! Ich bin sehr, sehr, sehr enttäuscht von dir!“, schalt seine Mutter ihn.

Da mischte der Vater sich ein:

„Auch dein Hauslehrer sprach zu mir - stell dir vor, er kündigte hier! Will dir keinen Unterricht mehr geben, sagt so etwas wie dich musste er bisher noch nie erleben, dabei hat er schon unglaublich viele Schüler in seinem Leben gesehen. Aus jedem sei schlussendlich etwas geworden - doch bei dir hat er bloß Zweifel und Sorgen! Das muss an diesem lächerlichen Tanzunterricht liegen, in meiner Familie hat es bisher noch nie mathematisches Versagen gegeben! Du hast mit dieser Narretei unseren Sohn verdorben !!! “

„Was, ich?! Ganz sicher nicht! Ballett macht Sinn, ist gut für den Körper und die Disziplin!

Durch den vielen Hausunterricht wurde der Junge weich und dick! Sieh ihn dir doch an! Kein Wunder, dass er so nicht tanzen kann! Das ist alles deine Schuld, Mann !!!“

So begannen Eduard Edwins Eltern einen üblen Streit und vergaßen ihren Sohn dabei.

Er blieb eine Weile schockiert und stumm stehen, konnte sich das Drama jedoch nicht lange ansehen. Die Worte waren hart und gemein! Ihm kamen die Tränen, er wollte nicht mehr hier sein, beschloss fortzugehen, ging durch die Türe und war verschwunden

- seine Eltern bemerkten es nicht, so sehr waren sie im Streit versunken...


Eduard Edwin rannte so schnell er konnte, raus aus dem Dorf, hinein in den Wald, den Hügel hinauf, wo er auf seiner Lieblingswiese beim Bach zusammenbrach.

Seine Tränen strömten aus ihm heraus, kaum sah er was um ihn herum geschah. Nahm nur seine Trauer, nicht die Schönheit des Tages, wahr.

Doch nach einer Weile versiegte der Tränen Fluss, seine Sinne öffneten sich wieder für den Genuss. Die Sonne strahlte, der Himmel war klar, der Bach murmelte und rauschte, die Blumen dufteten wunderbar. Eduard Edwin lag still und lauschte:

das Summen der Bienen schien ihn innerlich zu wiegen,

das Zwitschern der Vögel schien ihn zu trösten,

der Wind streichelte weich sein Fell.

Langsam wurde sein Gemüt wieder hell.

Die Schmetterlinge tanzten um ihn her - genau diesen Tanz liebte er so sehr!

Wieso lag er hier still im Gras? Eduard Edwin sprang auf und tat es ihnen nach:

Schmückte sich mit bunten Blüten, begann seine Hüfte zu wiegen.

Drehte sich wirbelnd im Kreis, fühlte sich wunderbar geschmeidig und leicht!

Die Traurigkeit war ganz überwunden, er hatte seine Lebensfreude wieder gefunden.


Die Zeit stand still, er wusste nicht ob für Minuten oder Stunden, himmlische Musik tönte in ihm und er tanzte so frei und ungebunden wie noch nie! Da begann die Situation sich umzudrehen: auf der Wiese wurde es still, alles schien den Atem anzuhalten, um Eduard Edwin zuzusehen. Es war, als könnte die Natur seine innere Klangwelt wahrnehmen und lauschte verzückt seiner Musik. Nach und nach tanzte alles mit: der Bach, die Blumen, die Bienen, Schmetterlinge, sogar das Sonnenlicht! Die ganze Wiese verband sich mit Eduard Edwin in seinem Tanz. Bis er glückselig ein Ende fand, und in die Stille hinein anerkennender Applaus erklang…


„Bravo! Bravo! Bravo, min Jung`! Exquisite, manifique! Was für ein Ausdruck schönster Musik! Grandiös pompös - habe ich ein Glück! Da komme ich für meine Toilette zum Bach und darf bei der Fellpflege erleben, wie sie junges Genie ihrer Kunst Ausdruck geben! Oh, bitte - kommen Sie mit! Ich lade Sie herzlich ein, zu einem Besuch bei meinem Artisten Trupp. Wir lagern nicht weit von hier und eine große Ehre wäre es mir, den anderen ihr Genie vorzustellen! Die Mamatrone wäre ganz aus dem Häuschen, das versichere ich Ihnen!“, so sprudelten, vor Begeisterung, die Worte heraus aus dem Wahrsager Le Skunk.

Der machte sogar, voller Hochachtung, am anderen Ufer des Bachs, für Eduard Edwin eine tiefe Verbeugung.


Dieser dachte sich, perplex und stumm: „Ist das wirklich echt, oder habe ich eine Halluzination? Voller Begeisterung huldigt mir dieses fremde Tier …“

So standen beide eine Weile schweigend dort, dann ergriff Le Skunk wieder das Wort: „Bitte um Verzeihung mein junger Freund, in meiner überschwänglichen Begeisterung

vergaß ich die guten Manieren, und mich ordentlich zu präsentieren - mit Verlaub, mein Name ist Le Skunk, Wahrsager von Beruf; doch in Ihrem Falle muss ich nicht erst meine Karten befragen, um Ihnen eine glorreiche Zukunft vorauszusagen! Darf ich Sie auf eine Tasse Tee in unserem Artisten Lager einladen? Nicht weit von hier, ein wenig Bach aufwärts, verweilen wir. Bitte, kommen Sie doch mit, so es Ihnen beliebt, Herr …“, freundlich lächelnd und fragend blickte Le Skunk Eduard Edwin an, der nun endlich wieder seine Stimme fand:


„Ähm… also… mein Name ist Eduard, Eduard Edwin Emmerich.“, antwortete er, schüchtern und zögerlich. „Herr Eduard Edwin Emmerich also! Fein, sagen Sie, wollen Sie mein Gast nun sein? Ich will es noch einmal betonen, der Weg ist nicht weit und wird sich lohnen…“, so sprach Le Skunk, mit einer Geste zuvorkommender Einladung.

„Ich … ich … ich glaube, ja… Ja… sehr gerne, sogar. Einen, äh, Artisten Trupp, habe ich noch nie besucht … es wäre mir wohl eine Ehre, denke ich …“, stammelte Eduard Edwin zögerlich. Noch nie war er einem solchen Tier begegnet, dass noch dazu so eigenartig redet, und zu Besuch war er eigentlich noch nirgendwo gewesen, außer bei Familienfesten,

falls die zählten …


Le Skunk strahlte: „Bonbon! Wie fabelhaft! Bitte, kommen Sie herüber zu mir,

durchqueren Sie den Bach, der Weg ist leichter danach... So ist es gut, junger Freund!

Was für eine unglaubliche Gelegenheit einen aufstrebenden Künstler kennen zu lernen;

ehrlich, es freut mich sehr, dass Sie uns beehren! Ich kann Ihnen versichern, Sie werden in exquisiter Gesellschaft sein. Unser Artisten Trupp ist der Beste weit und breit, denn unsere Mamatrone sucht handverlesen nur die Besondersten aus - ja sie weiß, es braucht eine gewisse Eigenheit; zudem ein offenes Herz, ein besonderes Leuchten und ganz viel Gefühl!

Aber ach, was erzähl` ich das gerade Ihnen! Sie wissen Bescheid, das sah ich gleich; Natürlich nicht zu vergessen die Vorstellungskraft, die ist fast die wichtigste Eigenschaft …

damit muss man schon gesegnet sein, sonst braucht man es gar nicht zu versuchen - ohne der hat man auf der Bühne nichts zu suchen …“, so plapperte Le Skunk unbefangen daher.


Eduard Edwin folgte ihm lauschend, staunte dabei mehr und mehr. Er konnte nicht glauben was ihm hier geschah… Ob das auch wirklich Wirklich, und nicht doch bloß ein Traum war? War er auf der Wiese eingeschlafen? Oder sagte Le Skunk tatsächlich all diese wunderbar klingenden Sachen? Doch dann wurde das Staunen so groß, dass für Eduard Edwin kein Zweifel mehr bestand - unmöglich war es seine Fantasie, die das alles erfand, so sagte er sich, als er das Artisten-Lager auf der Waldlichtung betrat …

Die Augen so weit offen wie noch nie blieb er stehen, um sich diesen Ort des Wunders zu besehen. Überall wimmelte es vor Heiterkeit und Leben, die bunten Farben der Kostüme, so viele verschiedene Tiere, die meisten übten ihre Kunststücke – Eduard Edwin konnte es kaum glauben, er war überwältigt, das Geschehen schien ihm fast den Atem zu rauben…


Sein Körper fühlte sich mit einem Mal so lebendig; er hatte sich bisher nie so gefühlt: sein Körper kribbelte, war wie zum Zerreißen gespannt, beinahe wurde ihm schwindlig, doch dann vernahm er die Musik… Eine Musik so frei und wild, da wusste er, es gab kein Zurück… Es war wie eine Explosion tief in ihm drinnen! Er sah, roch, fühlte, ja, schmeckte sogar, jeden Ton. Sein Körper begann zu tanzen, zu springen - fühlte sich selbst wild, frei, stark, war wie von Sinnen - plötzlich befand er sich mitten drinnen, im Geschehen, umringt vom ganzen Trupp, der in seinem Tun innehält und Eduard Edwin zuguckt.

Die MusikerInnen sind hellauf begeistert von der Resonanz, die sein Tanz ihrem Spiel beisteuert. Auch sie spielen ihr Lied jetzt noch wilder und freier! Mit dem letzten Ton endet Eduard Edwins Tanz, er ist ganz außer Atem, erwacht wie aus einer Trance… um sich umringt von all diesen Tieren zu sehen, die ihm begeistert Beifall geben… „Was ist nur geschehen? Stand ich nicht eben noch am Waldesrand, staunend darüber, was sich vor meinen Augen befand? Und nun bin ich plötzlich mittendrin, während alle im Kreis um mich stehen …“, dachte er, doch da war es schon geschehen. Die MusikerInnen begannen wieder zu spielen, jemand schrie: „PARTY!“ und alle Tiere tanzten mit ihm. Natürlich konnte er nicht widerstehen, begann auch wieder sich zu bewegen… Es war Eduard Edwins erstes Freudenfest und bestimmt nicht sein letztes, so viel verrate ich schon jetzt…


Die Mamatrone besah sich das Ganze mit wissendem Blick. Le Skunk raunte ihr zu: „Ist er nicht ein Goldstück?“, und war schon in der Menge verschwunden. „Bring ihn später zu mir!“, rief die Mamatrone ihm noch hinterher… So kam es, dass zu späterer Stunde Eduard Edwin und Le Skunk sich in ihrem Zelt eingefunden hatten, um zu reden und zu rasten. Schweißnass und glückselig nahm Eduard Edwin kräftigenden Tee entgegen. Während er trank, erzählte Le Skunk von ihrer Begegnung. Die Mamatrone hörte aufmerksam zu, blickte Eduard Edwin an und sprach: „Nun erzähl aber du! Was hat dich auf diese Wiese geführt? Woher bist du gekommen?“. Bei dieser Frage fühlte sich Eduard Edwin kurz ganz benommen, schluckte und seufzte erst, bevor er dann, seine Geschichte zu erzählen begann… Die beiden anderen konnten seine Worte kaum glauben. Le Skunk hatte dicke Tränen in den Augen: „Guter Himmel, wie tragisch und traurig! Armer Junge, ich versichere dir mein tiefes Mitgefühl - glaube mir, die Geschichten der meisten von uns sind schaurig, doch hier haben wir eine neue Familie gefunden... Unsere Talente haben uns dazu verbunden!“


Die Mamatrone blickte Eduard Edwin tief und lang in die Augen: „Mein Junge, ich sage dir die Wahrheit, du kannst mir vertrauen. Es fällt dir vielleicht schwer, doch dorthin zurück gehen kannst du nicht mehr… lass deine Vergangenheit hinter dir. Ich weiß schon, dass du deine Eltern wohl liebst, doch ist es besser für dich, du ziehst mit uns mit. Schreibe ihnen einen Abschiedsbrief, den du dann an sie verschickst. Ich sage dir ganz offen, du hast Talent und gehörst in die weite Welt! Mit Fleiß und Begeisterung schaffst du bei uns den großen Sprung. Vielleicht weinst du erst bittere Tränen, doch weißt du genau, in die alte Enge kannst du nicht mehr zurückgehen - das verbietet dir deine Seele … Und glaube mir, deine Eltern ließen dich nie mit uns ziehen …“

Eduard Edwin weinte schon, während die Mamatrone noch sprach, doch wusste sein Herz, dass was sie sagte die Wahrheit war…


So kam Eduard Edwin also zum Zirkus-Clan. Seinen Eltern schickte er aus jeder Stadt, in der sie auftraten, eine freundliche Grußkarte. Mit der Zeit entwickelte er seinen eigenen Stil und schneiderte sich sein extravagantes Kostüm. Wo er tanzte, schien die Zeit still zu stehen, sein Tanz verband Eleganz mit Kraft und Zerbrechlichkeit, er berührte die Herzen des Publikums, wurde überall gefeiert! Nach vielen Jahren und Reisen durch die ganze Welt, kam sein Trupp zurück in seine Kindheitsgegend, um in einem Theatersaal aufzutreten.


Eduard Edwin Emmerich konnte nicht glauben, wer gekommen war, um ihn zu sehen …



© Miriam Strasser

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